Ja, schauen wir den Tatsachen ins Auge:

Ich wohne im Speckgürtel

Dieses Schicksal teile ich mit Hunderttausenden rund um Berlin. Sagt man rund um Hamburg eigentlich auch Speckgürtel? Oder ist das dann schon die Nord- oder Ostsee? Und rund um Leipzig, wie heißt der Speckgürtel da? Oder ist da gleich nur Tiefebene? Ich werde es herausfinden. Demnächst. Hier. Allen Leserinnen und Lesern der vertrauten Zeitungskolumne rufe ich zu: „Hier geht's weiter.” So ab April… Wer Lust hat, schreibt mir eine Mail mit Wünschen: „Das würde ich gern mal lesen, liebe Frau Rellin.” Los geht's: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.


Zum Freuen und zur Erinnerung eine Frühlingskolumne, die im März 2013 in der MAZ erschien:

Schwein gehabt

Am Donnerstag war ich unterwegs und erhielt eine E-Mail vom Göttergatten: Es seien zwei Pakete bei uns eingetrudelt, ziemlich große, also für unsere Verhältnisse groß, normalerweise kommen ja nur handlich verpackte Bücher. Was in den Paketen denn drin sei, wollte der Göttergatte wissen – der Absender sei sehr merkwürdig, er laute Waschbär. Ja, die Frau Rellin ist so sehr mit Wildtieren in ihrer Umgebung befreundet, dass die Waschbären ihr jetzt schon Pakete schicken …
Unsinn – am Wochenende hatte ich ein bisschen Schnullikram für den Garten bestellt, Sie kennen das, draußen grünt es plötzlich wie blöd, da will man raus, wenigstens eine Kleinigkeit wie Tomaten oder Kräuter pflanzen. Dazu brauchte ich nun Vorrichtungen, mit denen ich mein Saatgut möglichst hoch und wildschweinsicher anbringen kann. Sie haben richtig gelesen: wildschweinsicher. Am Wochenende hatte ich es das erste Mal gesehen, ich wollte gerade probesitzen auf meiner neuen Gartenbank, da erschien das Wildtier. Erst hörte ich nur ein merkwürdiges Getrappel auf dem Kopfsteinpflaster der Straße: ein Hund mit Hausschuhen? Ein Mini-Pony, das hinter der Hecke nicht zu sehen wäre? Da kam es um die Ecke, besser: Sie kam um die Ecke, die Wildsau. Mit Schwung schoss sie direkt durch meinen Sanddorn, blieb stehen, sah mich aus großen braunen Augen an, als ob ich Obelix hieße und ihr direkt ans Fleisch wollte. Ich wollte aber nur eines: rein ins Haus, Tür zu, das alles mit ruhigen Bewegungen. Die Wildsau löste sich entweder in Luft auf oder entschwand durch unseren Zaun in den Wald. Am nächsten Morgen inspiziere ich besagten Zaun – hm, hochgebogen an einigen Stellen, aber doch wohl eher in der Größe Durchschlupf für den Fuchs (der springt im Zweifelsfalle ja auch gern drüber) oder einen Waschbären (der da noch nicht mal mit kleinen Paketen durchgekommen wäre). Egal, ich biege den Maschendrahtzaun in Form, wuchte Steine davor.
Mittags steht einer meiner Lieblingsnachbarn vor der Tür: Die Wildsau hat über Nacht die Kartoffeln in seinem Garten ausgegraben. Bei der nochmaligen Zauninspektion treffe ich den nächsten lieben Nachbarn, er ist gärtnerisch und handwerklich tausendmal fitter als ich. Trotzdem hat das Wildschwein zwei Latten in seinem Zaun aufgedrückt. Stante pede wurden die Schlupflöcher zwischen unseren Grundstücken dicht gemacht. Das Wildschwein möge es sich hinter seine borstigen Ohren schreiben: Jetzt ist Ruhe im Karton! Wir wissen, wo der Jäger wohnt!

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Zeit-online: Interview
zu den Göttergatten

TV: Göttergatten-Lesung
in Hannover,
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